Der versunkene Wald

Das „Brokopondo Meer“ in Surinam ist einer der größten Stauseen der Welt. Er birgt einen Schatz, den es zu heben gilt: Millionen von Kubikmetern Holz höchster Qualität.

Der Brokopondo Stausee ist mit 1.500 km2 dreimal so groß wie der Bodensee. Sein eigentlicher Schatz befindet sich unter Wasser, denn als der Damm zwischen 1960 und 1964 gebaut und der Surinam Fluss anschließend zur Stromerzeugung gestaut wurde, hatte man den Wald in diesem Gebiet vorher nicht gerodet. Die Holzmenge, die sich unter Wasser befindet ist sehr groß und reicht bei gleicher Erntemenge wie heute mindestens für die nächsten 50 Jahre. Das Überraschende ist, dass die Bäume zwar seit langem abgestorben sind, aber durch das Süßwasser konserviert wurden. Die meisten Hölzer sind von hervorragender Qualität, hochresistent gegen Fäulnis und deshalb besonders für die Nutzung im Außenbereich geeignet.

«Es ist besser, die Biomasse aus Flüssen und Seen herauszuholen, anstatt sie darin verfaulen zu lassen.»

Hohe Qualität des Holzes

Im Jahr 2010 hatte der deutsche Holzspezialist Barth&Co. aus Korschenbroich die Idee, das Holz aus diesem Stausee zu ernten und zu hochwertigen Terrassendielen zu verarbeiten. Stephan von Schreitter von Barth&Co. erklärt dazu: "Die Ernte ist zwar aufwändig und teuer, aber die Nutzung dieser Ressource ist ökologisch ausgesprochen sinnvoll, da die Bäume im See langsam verrotten und klimaschädliches Methan freisetzen würden.

Wir lassen diese Hölzer in einem Sägewerk direkt am Ufer des Sees einschneiden. Damit werden im wenig entwickelten Surinam Arbeitsplätze geschaffen, weil wir als Exklusivimporteur für Europa eine langfristige Abnahmegarantie geben. Nach dem Einschnitt und der Qualitätskontrolle durch unser Mitarbeiter vor Ort verschiffen wir das Material nach Europa und lassen es von einem Spezialisten in den Niederlanden zu hochwertigen Terrassendielen verarbeiten. Die Abfälle und Hobelspäne werden im dortigen Bioheizkraftwerk zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Aufwand lohnt, denn immer mehr Menschen erkennen heute den Wert und die Schönheit dieser besonderen Hölzer und honorieren den sorgfältigen Umgang mit einem so wertvollen Material."

 

Einzigartige Ressource

Ulrich Bick vom Institut für Weltforstwirtschaft des Johann-Heinrich-von-Thunen-Instituts (vTI) in Hamburg: »Gerade die Hölzer aus dem See in Surinam sind sehr hochwertig. In konventioneller, nachhaltiger Forstwirtschaft sind sie heute so gut wie nicht mehr verfügbar. Darunter sind nämlich Bäume, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, weshalb sie aus normalen Wäldern nicht geschlagen werden dürfen.«